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Was mir der Uhu erzählte
Vor einiger Zeit ging ich viel im Wald spazieren. Ich freundete mich mit einem uralten Uhu an, den ich bei meinen Spaziergängen oft besuchte. Als unser Gespräch eines Tages auf die gesellschaftlichen Verhältnisse kam entdeckten wir die interessanten und leider auch bezeichnenden Parallelen unserer Gesellschaften. Ich konnte kaum glauben, was der Uhu alles aus seiner langen Erfahrung zum besten gab. Für mich gibt es jedoch keine Zweifel an seinen Ausführungen, denn gerade die Parallelen zu unserer Gesellschaft bewiesen mir die Glaubwürdigkeit seiner Berichte. Ihr müßt wissen, im Wald gibt es ein besonderes Kommunikationssystem, das Zwitschern. Wer immer mit seinen Verwandten oder Bekannten kommunizieren will zwischert ihnen eins. Die Vögel des Waldes, als uneigenützige und eifrige Dienstleister, übertragen die Nachrichten von einem Waldesteil in einen anderen. Mein Freund, der den Zwitscherverkehr verstand, hatte so ständig die gesamte gesellschaftliche Entwicklung vor Ohren. Überflüssig zu erwähnen, daß es einen Ehrenkodex der Vögel gibt, der sie zu Schweigen über die Nachrichten verpflichtet. Nichtsdestotrotz gibt es auch Ausnahmen, aber nicht vorgreifen. Ich versuche nun hier einige Berichte meines Freundes, des alten Uhus, wiederzugeben. Mit Rücksicht auf den Ehrenkodex hat er die Namen leicht manipuliert. Möge der Spaß mit Euch sein!
– von völlig neuartigen Geschäftlichkeitsrisiken –
Als Karin Känguruh eines Tages zu ihrer Freundin Karla Klatschbase unterwegs war genehmigte sie sich einen großen Becher heißen Waldmeistertrunk bei Meister Dongeld. Da sie es sehr eilig hatte stellte sie den heißen Waldmeistertrunk in ihren Beutel und sauste quer über die hohen Hügel ab zu Karlas Wäldchen. Das Ergebnis dieser Leichtsinnigkeit ließ nicht lange auf sich warten. Ehe sie sich noch mit einem Kopfstand aus der peinlichen Situation retten konnte hatte sie sich schon jämmerlich den Beutel verbrüht. Der halbe Westwald wälzte sich im Herbstlaub vor Lachen, was Karin Känguruh besonders ärgerte. Die Auswertung des Unfalls in der Waldmeisterklatschrunde bei Karla förderte dann auch die ganze Verworfenheit von Meister Dongeld zu Tage. Karla Känguruh, die, wie Ihr alle sicher wißt, auch mal ein halbes Silvester Verlinkung studiert hatte stellte im Waldrat Beschadigungswiedergutmachungsausgleichsbestrafungsforderung gegen Meister Dongeld, der viel zu heißen Waldmeistertrunk an ahnungslose Reisende vereichelt. Da Meister Dongeld in dem Ruf stand, reich zu sein, fiel ihr Anspruch auch entsprechend aus, denn es ist ja einzusehen, daß man einen nicht so bemittelten Schädigungsstifter nicht mit der vollen Größe der Schädigung belasten kann, wohingegen bemittelte Schädigungsstifter für die ganze, auch die idelle Schädigung einstehen müssen. Aus dieser logischen Ableitung ergibt sich die Notwendigkeit der vollständigen Forderung inklusive der idellen Schädigung sowie der Schädigungen der vielen unbekannten vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Reisenden gegen Meister Dongeld. Weiterhin ist zu berücksichtigen, daß ähnlichen Missetätern auch gleich zur Abschreckung ein Beispiel vor Augen zu führen ist. Daher ist auch die Anwendung des großen Abschreckungsfaktors geboten. Karla gab den Fall an eine Höhle kommerzieller Verlinker, die ja auch nicht nur von Waldluft leben können und so kam eine astronomische Berechnung auf Daniel Dongeld zu. Neunundvierzigmillionenneunhundertundneunundneunzigtausendneunhundertundneunundneunzig Kastanien und siebzehn Hundertstel. Wobei er für die siebzehn Hundertstel einen Abrundungserlassungsantrag stellen könnte. Diese sind in den letzten Jahren aber auch immer teurer geworden. Für Karla hielt sich das Risiko in Grenzen, denn diese Verlinker kassieren nur im Erfolgsfall, also nur von Dongeld.
– von seltsamer Linksauffassung –
Lothar Lampe, ein etwas klein gewachsener Hase, hatte die Angewohnheit, auf dem Heimweg hinterm Waldesrand seinen Keulen richtig die Sporen zu geben, wenn sein Heimathügel in Sicht kam. Willy Wolf, der zu dieser Zeit die Speedyüberwachungslizenz des Zentralwaldes gemietet hatte, wußte dies. Als LL, im Wald grassiert zur Zeit der Abkürzungsfimmel, eines Abends nach Hause preschte passierte es dann auch, direkt am Waldesrand wo das Waldspeedlimit endet. Es war zwar nur ein zehntel Affenzahn über dem Limit und dieses an der Stelle außer Kraft, aber Willy Wolf meinte von Lothar nun 550 Eicheln kassieren zu dürfen und kündigte ihm die entsprechende Berechnung an. Lothar, der sich gelinkt fühlte, machte sofort von einer Widerrede Gebrauch und reichte diese auch gleich ein. WW fühlte sich dadurch um die Früchte seiner Arbeit betrogen und redete mit seinem Vetter, Meister Grimm, der einst Vorhocker war. Sie beratschlagten eine Weile und kamen zu dem Ergebnis, daß ja kein Problem vorliege, da die Widerrede schon erfolgte, bevor Willy Wolf seine Eicheln berechnete und somit gegenstandslos sei. Lothar Lampe, der glaubte, die Angelegenheit ordnungsgemäß behandelt zu haben hoppelte denn auch in den wohlverdienten Urlaub. Als er erholt wieder in seinem Bau anlangte und die Berechnung von WW vorfand erneuerte er die Widerrede – sicherheitshalber. Eine Überraschung gab es erst, als WW Beklagung vor dem kleinen Waldrat erhob. Die Vorhockende Gunda Gimpel meinte, daß LL's Widerreden zu früh und zu spät kamen. Von einer zu früh eingereichten Widerrede hatte LL noch nichts gehört. Er glaubte, nur seinen Unwillen in einer bestimmten Zeit kundtun zu müssen. Man wolle sicher zur eigentlichen Sache, der Bösmessung, nicht Stellung nehmen. Als er dann auch noch beklagte, daß die waldungewöhnlich kurze Frist und die Linkskonstruktion einer zu frühen Widerrede vom Waldrat bewußt angelegt seien, um seine Links als Waldbewohner zu verkürzen, befahl Gunda Gimpel Duffy Dongo Lothar Lampe ein halbes Ohr wegen Waldratsbeleidigung abzubeißen. Der Pflichtverlinker, den jeder Beklagte mieten muß, wandte ein, daß die Einsetzung eines neuen Links für LL nicht gelten könne, da es ja neu sei und der Wald das Grundlink habe, daß nur die zum Untattag gültigen Links Gültigkeit hätten. Gunda Gimpel meinte, daß das kein Problem sei, denn entsprechend dem bewährten Grundlink, daß ein Waldlink immer ein Waldlink ist, war diese Regelung schon damals gültig, sie war uns nur nicht bewußt. Der Ausruf "Linksverbiegung!!" führte auch gleich zur Verkürzung des zweiten und letzten Löffels. Nun muß er noch Eicheln für den Rat, für Duffy den Ratsbediener und den Pflichtverlinker aufbringen. Da Lothar Lampe jetzt auch noch wegen der kurzen Ohren von seiner Sippe verstoßen wurde zog er vom Hügel hinter dem Waldesrand weg und soll sich jetzt Karl Kanin nennen. Soviel zur Entstehung der Arten im Wald durch unnatürliche Ereignisse.
"Das ist doch nicht möglich! Das sind doch nur getarnte Witze!" sagte ich zum Uhu, denn diese zwei Einblicke ins Waldlink ließen mich erschrecken.
"Nein, als die Tiere vor langer Zeit die täglichen Schlägereien satt hatten erfand man das Waldlink, eine großartige Erfindung. Es hatte natürlich in der ersten Zeit auch seine Probleme. 'Wer einem Tier den Kopf abbeißt, dem soll auch der Kopf abgebissen werden!' So lautete das erste Waldlink. Es wurde euphorisch gefeiert. Sofort erfand man logischerweise das zweite. 'Wer einem Tier den Schwanz abbeißt, dem soll auch der Schwanz abgebissen werden!' Und schon begannen die Probleme. Die beabsichtigte hoch angesehene Gleichbehandlung war mit Erfindung des zweiten Waldlink im Tümpel! Gab es doch Tiere ohne Schwanz! Gleichzeitig wurde offenbar, daß man einem Wiederholungsuntäter nicht zweimal den gleichen Schwanz abbeißen konnte. Er war also nach der ersten Verlinkung linksimmun. Auch der Lösungsansatz, jedesmal nur ein Stück abzubeißen, um noch etwas für folgende Verlinkungen überzubehalten stieß an seine natürlichen Grenzen. Blieb dann ja auch noch das leidige Problem mit den schwanzlosen Waldbewohnern. Dieses grundlegende Linksproblem, daß man einem Schwanzlosen nicht selbigen abbeißen kann, sollte sich noch als unlösbar durch die ganze Verlinkungsgeschichte des Waldes schleppen. Einige Spezialisten meinten, dieses Scheinproblem zu lösen, indem immer ein Bein abgebissen wird. Dies war aber nur eine Scheinlösung, denn die Frage ob ein Bein soviel wert sei wie ein Schwanz beantwortet ein Fisch sicher anders als eine Kuh. Ein schlauer Fuchs zählte darauf hin aus, daß die Probleme mit allen Kombinationen aller Körperteile aller Tiere solche waldunvorstellbaren Größenordnungen annehmen würden, daß die speziellsten der Spezialisten bald die Übersicht verlören, was dann später auch in anderer Hinsicht eintrat, wie die ersten beiden Waldlinksfälle zeigten."
Ich erzählte dem Uhu, daß wir für ähnliche Probleme, wo es um Kastanien geht, ein Sprichwort haben: "Versuch mal einem nackten Mann in die Tasche zu greifen."
"Ja, wie wir mit: 'Du kannst einem Frosch den Schwanz nicht abbeißen.' Im Wald geht es jetzt aber auch immer nur noch um Kastanien."
Da das zweite Waldlink die Grenzen der angestrebten Gleichverlinkung so brutal offenlegte wollte man diese sofort in einem Waldlink festschreiben. Weil sich dabei aber eine Uneinigkeit entwickelte, weil einige Tiere der Meinung waren, die Gleichverlinkung gehöre an die erste Stelle, wurde es in einigen Waldgebieten als drittes Waldlink registriert, in anderen durch den Streit erst an späterer Stelle. Nur die ersten zwei sind in allen Waldteilen gleich. Die Entwicklung des Waldlinks lief schon an diesem Punkt auseinander.
– unerwartete Probleme mit dem ersten Waldlink –
Die neue Erfindung des Waldlink wollte man natürlich so bald als möglich ausprobieren. Man brauchte also dringend ein Exempel. Die Mungos hatten damals noch die Angewohnheit, einer schon toten Schlange, die sie verschlangen, vorher den Kopf abzubeißen. Dies gehörte nun aber zu ihrer normalen Lebensweise. Trotzdem war ein Opfer schnell gefunden. Moritz Mungo wurde beim Verstoß gegen das erste Waldlink beobachtet und gab die Untat auch noch freimütig zu. Viktor Vielfraß sollte als erster Waldratsbediener dem neuen Link Geltung verschaffen. Max Mungo, der Bruder, erwirkte dann aber Beklagung vor einem andern Waldrat – gegen Viktor Vielfraß. Die Sache war so klar und eindeutig und die Waldlinkslage schrieb die Bestrafung des Unlinktäters vor. Detlef Dachs sollte nun an seinem entfernten Verwandten Verlinkung üben. Da er aber die Ratsverhockung sehr aufmerksam verfolgt hatte merkte er natürlich, daß er hier böse hereingelegt werden sollte. Er pfiff aufs neue Waldlink und ging so saudachswildwütend nach Hause, daß es hinfort niemand mehr wagte, ihn nur anzusprechen. Die Dachssippe ist als sehr mürrisch bekannt. Das läßt sich vielleicht damit erklären, daß sie noch immer der Meinung sind, daß die Tiere versuchten, ihren angesehenen Ahnen so böse zu verlinken. Die Tiere brauchten also weitere Links, um den Waldrat und seine Bediener vor einer Verlinkung zu bewahren. Daß man Moritz Mungo Unlink antat merkte man aber erst sehr viel später.
– von guten Beziehungen –
Als der Uhu schon etwas mehr Vertrauen hatte erzählte er davon, daß heimliche kommunikative Mitläufer des Waldrates vom Waldlink nur selten etwas zu befürchten hätten. In einer Gegend des Waldes kam es vor einiger Zeit zu erheblichen unerklärlichen Verlusten an jungem männlichem Federvieh. Die Spatzen pfiffen es allerdings schon von den Wipfeln, daß man sich vor Hans Hahn in acht nehmen solle. Die Waldbewohner der Gegend regten sich mächtig auf und forderten den Waldrat mehrfach vergeblich zur Untätigkeitsunterbrechung auf. Nach langer Zeit kam Nina Nachtigall der Gedanke, Bodo Biber zu überreden, den kleinen trüben Bach, die Lauge, mal nachts trockenzulegen, was dann auch geschah. Am nächsten Morgen waren die Opfer der Untaten für alle sichtbar, der Waldrat abgesetzt und vertrieben, denn damals gab es teiltierokratische Verhältnisse. Nun wurde auch schnell bekannt, daß HH heimlicher kommunikativer Mitläufer des alten Waldrates war und mit welch linken Tricks die vielen Beklagungen nichtiggeklopft wurden. HH wurde der wertvollste Körperteil, der Kopf abgebissen.
"Teiltierokratische Verhältnisse? Also keine wirkliche Tierokratie?" fragte ich
"Es gab schon öfter die 'vollkommene Waldokratie', in der jeder mitreden muß, aber sie artete immer in Beinabbeißen und Augenaushacken aus."
– von unsichtbaren Tieren, die im Wald auftauchen –
Kuno Kungel war ein eifriges und umtriebiges Geschäftstier, also etwas, was in der geschäftigen Gesellschaft gern gesehen wird, denn es bringt Geld in die Kassen, so oder so. An seinen Geschäftsideen fanden sich mit der Zeit aber immer mehr Kritiker. Vor allem Kunden, die meinten, daß die ihnen vereichelten Dinge nicht gut waren, wie Sommerhöhlen, die nicht existierten, längst eingefallen oder von Termiten bewohnt waren. Zwitschernetznachrichten wurden vereichelt, die nicht exitierten ... Kuno, der bereits Schwanzverlinkungsimmunität besaß, also keinen Schwanz mehr hatte, machte jetzt fleißig von den neuen imaginären Tieren Gebrauch, die das Waldlink erfunden hatte, um die gemeinsame Geschäftlichkeit von Tieren zu regeln. Vereicheln beispielsweise zwei Tiere heiße Wurzeln an Reisende, so ist ein neues imaginäres Tier entstanden, das diese Geschäftlichkeit betreibt. Nun hatte das Waldlink zwar diese imaginären Tiere nicht geschaffen, damit Kuno sich mit ihrer Hilfe seinen geprellten Kunden entzieht, aber diese Frage war ja nie Ding der vielen Waldratsverhockungen, die Kunos Geschäftlichkeiten erhellen sollten. Auch war es nie der Sinn des Links, daß ein einzelnes Tier sich in ein solch imaginäres Tier verwandeln könne, dem man ja nicht einmal den Schwanz abbeißen kann. Aber auch das war nie Motto der Verhockungen. Auch war es sicher nicht Absicht, daß man jetzt nicht mehr weiß, wer eine Geschäftlichkeit betreibt, so daß mancher gar zu spät erfährt, daß Kuno dahinter steckt. Kuno jedenfalls ließ die imaginären Tiere entstehen und vergehen, wie es ihm in seiner Geschäftlichkeit gefiel. Da der Waldesteil jetzt gut gefüllte Kassen hatte und Kuno inzwischen ein gutes Verhältnis zum Waldrat brauchte er seine Kundschaft kaum zu fürchten. Es gäbe sicher genug Links, um das zu unterbinden, denn das Waldlink ist jetzt undurchdringlicher als der Wald selbst, aber die Kassen und die Eicheln ... Einige Linksspezialisten meinen sogar, daß der Waldrat sich hier mituntatschuldig macht. Der kann sich jetzt aber noch teurere Spezialisten leisten, die das Gegenteil behaupten. Und so geht die Kungelei weiter und weiter und ...
"Die Geschäftlichkeit spielt jetzt wohl eine große Rolle im Waldlink?" fragte ich den Uhu "Na sicher! Als man entdeckte, daß es viel einträglicher ist, einen Körperteil in Eicheln oder Kastanien zu vereicheln, als ihn abzubeißen revolutionierte man das Waldlink. Dem Delinquenten wird angeboten, den verlorenen Körperteil zurückzuvereicheln. Natürlich bevor er abgebissen ist, sonst liefe das Geschäft ja nicht. Diese Linkskonstruktion ist nach Spezialistenauffassung nötig, um weitere linkische Bredouille zu vermeiden. Anfangs glaubte man sogar, endlich das grundlegende Waldlinksproblem, das seit dem zweiten Waldlink existierte, lösen zu können. Kastanien kann man ja mehrfach abziehen. Aber die Problematik zeigte sich nur als verschoben. Aus dieser Zeit stammen solche waldunmöglichen Forderungen wie die gegen Meister Dongeld. Außerdem entbrannte ein langer Streit über die Frage, wer von den Beteiligten die waldunmögliche Summe denn nun kassieren dürfe. Je nach Linksauffassung der entsprechenden Zeit kassierte mal der eine oder der andere oder der Waldrat, was ja auch nicht unproblematisch ist. Es gab auch Zeiten, in denen danach auf den Begünstigten Jagd gemacht wurde, um jetzt ihn zu verlinken, denn bei ihm konnte man ja nun eine hohe Forderung ansetzen."
– von unterschiedlichen Linksauffassungen in ein und demselben Waldrat –
Je komplizierter das Waldlink wurde, desto weiter liefen die Spezialistenmeinungen auseinander. Greta Grille, die Beklagung auf Erhöhung ihrer Bezüge um ein paar Bucheckern erhob, fragte ihren Nachbarn, den Maulwurf, zu seinen Erfahrungen, da er als Spezialist dieses Gebietes galt. Er erklärte ihr, daß für ihren speziellen Fall die Spezialistenmeinungen etwas auseinandergingen. Sie solle doch am besten vor einem anderen Waldrat als dem hiesigen Beklagung erheben. Das ließ sich aber nun nicht mehr ändern. Der Maulwurf erklärte ihr, daß im hiesigen Waldrat drei Höhlen diese Angelegenheiten berackern. Zwei hätten bisher immer die Meinung vertreten, daß so eine Erhöhung nicht link sei, die dritte vertrat die gegenteilige Ansicht. Dieser Streit geht schon seit vielen Sommern und Wintern und die Höhlen entschieden daher zuverlässig immer gegenteilig. Es wäre also besser einen Rat aufzusuchen, bei dem die Spezialisten ihre Flachsimpeleien nicht auf dem Rücken der werten Kundschaft austrügen. Aber das ist ja jetzt zu spät. Wenn Paul Panther morgen auf dem kleinen linken Kiefernstumpf hockt, so wird sie die Erhöhung gewinnen. Wenn Sigi Skorpion auf dem großen Birkenstumpf oder Erika Eichhorn auf der großen Tanne hocke sähe es nicht gut aus. Es war Paul Panther und mit der Erhöhung war es nicht Essig. Warum sein Glück aber immer so versuchen? Die Schwierigkeiten, den richtigen Spezialisten zu finden, werden für den einfachen Waldbewohner immer unüberwindlicher – meint der Uhu.
– vom Babbeln –
Die Waldräter werden in Teiltierokratien verwählt; in vollendeten Tierokratien muß sich jeder einen Posten nehmen; in Tierokraturen nimmt sich wer einen Posten, gibt ihn aber nicht wieder her. Es gibt noch andere Waldratsformen, das tut aber hier nichts zur Sache. Die sprachlichen Eigenarten, die sich bei den Postenhaltern aber entwickeln sind in allen Waldratsformen sehr ähnlich. Das heißt, die Benutzung ist gleich, die Worte sind grundverschieden und hängen von der jeweiligen Ratsform ab. So wie ein Junges ein neu erlerntes Wort ständig wiederholt und bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten ausprobiert und anbringen möchte, so gibt es auch Babbelworte und Redewendungen für ausgewachsene Tiere, speziell für Waldräter. Zum Beispiel: Übersauwetter, Wipfelwackeln, antiameisionistisch, Verunblödung, Riesenkiefernhochschweinepfuhlenwetter, ratsverunbilligend, Waldlinksbeschadigung, ungemeinschaftlichkeitsfördernd, Überwinterdickfelligkeit, fuchsteufelswild, Schweineverunglimpung, tierüberblödend, ... Es gibt sogar Beratschlager, die den richtigen Einsatz der Babbelworte mit den Rätern trainiern. Gegen anständig Kastanien natürlich. Die Waldräter wiederholen in allen Reden diese Babbelworte, natürlich nur die der entsprechenden Ratsform und die, die grad in Mode sind, in allen Variationen und zu allen Gelegenheiten, bis sie den Tieren buchstäblich zu den Ohren heraushängen. Ja, die Varianten nehmen groteske Formen an wie: Sommerverpelzung, Winterverpelzung, Mondverpelzung, Regenverpelzung, Pelzverpelzung, Lausfellverpelzung, ... Wer dieses Spiel nicht mitmacht wird nicht mehr verwählt oder zieht sich den Zorn der andern zu, die ja mitmachen müssen. Woraus man sieht, daß die Räter in Tierokraturen gewissermaßen zum babbeln gezwungen sind, es in Tierokratien aber offensichtlich freiwillig tun. Das Ergebnis ist immer das gleiche. Letztens soll man einen Räter so lange zum Postenfreigeben bedrängt haben, bis er das tat. Er hatte sich verbabbelt. Die Babbelei ging manchmal schon so weit, daß einige Tiere meinten, die Räter hätten gar keine eigene Meinung mehr und babbeln nur noch. Einer Waldokratie nicht gerade zuträglich.
– Profilierung von Rätern –
Die Kaninchen sind wie die Dachse nicht gut aufs Waldlink zu sprechen. Nun gelang es ihnen, einen besonders üblen Linksskandal aufzudecken. Die Anzahl der Kopfabbeißungen stieg in den Zeiten vor Postenverwählungen in manchen Waldteilen stark an. Einige Räter meinen, sich durch besonders spektakuläre Waldratsverhockungen für freie Posten zu empfehlen. Die Kaninchen und Dachse leiten ab, daß dieser Linksmißbrauch zeige, daß das ganze Waldlink Unlink und sowieso für 'n Tümpel wäre. Warum aber selbigen gleich mit dem Frosch ausschütten?
– wie man das Link ohne eigene Kosten und Kosten für die Waldgesellschaft durchsetzt –
Die Zeiten, in denen die Tiere Ratsaufgaben freiwillig und ohne Gegenleistung erledigten gingen bald zu Ende. So begann die Suche nach Finanzierungen dieser Aufgaben. Aber seit der Revolution im Waldlink, die finanzielle Probleme ausräumte, gab es Lösungen. In einem armen Waldteil kam es zu einem Unfall bei der Zucht neuartiger Kriegsameisen. Die Nachrichten darüber waren zwar streng geheim und unverständlich übertragen, aber der Uhu kannte sich aus. Es gab sehr viele Leidtragende, die durch außer Kontrolle geratenes Kriegsgerät schwer verletzt wurden. Sie hatten keine Möglichkeit, die aufwendigen Ratsverhockungen zu vereicheln. Glücklicherweise gab es in einem anderen Teil des Waldes kastanienschwere Verlinker, die diese Mengen an Kastanien aufbringen konnten. Nun konnte Beschadigungswiedergutmachungsausgleichsbestrafungsforderung vor dem teuersten Waldrat gestellt werden. Die verantwortungslosen und nachlässigen Züchter wurden zur Vereichlung einer waldunmöglichen Summe verlinkt, die sie nur zu einem kleinen Teil aufbringen konnten, und auch die armen Opfer bekamen jetzt je drei Eicheln.
– von unwirklichen Waldratsverhockungen –
Als Mutti Maus von einer längeren Reise nach Haus kam und eine wenig bekannte Abkürzung nahm hörte sie Tiere auf einer kleinen versteckten Lichtung reden. Sie war zwar sehr müde und es dämmerte schon, aber die Neugier war stärker. Sie sah sich diese Versammlung der Tiere heimlich an. Ihr Schreck war aber groß, als sie sah, daß es sich um eine Waldratsverhockung handelte. Sie fand in der Dämmerung statt und an diesem ungewöhnlichen Ort, was noch nie geschah! Auch die beteiligten Tiere gehörten zu keinem ihr bekannten Waldrat, was sie noch mehr verwunderte. In ihrer Abwesenheit hatten sich erhebliche Umwälzungen zugetragen. Sie fürchtete, daß die ganze Waldokratie in diesem Waldesteil wieder hinüber war und wollte schnell nach Haus, wenn es ihr Haus noch gab. Da sie aber schon zum heimlichen Zuhörer geworden war und ihr Wissen Wert für den Kampf um die Waldokratie haben könnte blieb sie. Es handelte sich um die Verknackungsverhockung gegen ein Waldhörnchen und sie erkannte auch ihre Base Sara Spitzmaus auf dem Verschworenenbaum. Seltsam war auch, daß die Verhockung jetzt noch einmal begann. So etwas hatte sie noch nie erlebt. Die Verknackungsverhockung wurde solange wiederholt, bis die Verschworenen richtig abstimmten und nicht auf 'Einhöhlen' sondern auf 'Springenlassen' entschieden. Mutti Maus standen die Nackenhaare zu Berge als sie nach Hause eilte. Komplett war ihre Verwirrung, als Vater Maus erklärte, daß sich in ihrer Abwesenheit nichts verändert habe. Sie ging noch am gleichen Abend zu ihrer Base. Die Spitzmaus erklärte ihr, daß es eine unwirkliche Ratsverhockung war, bei der sie als Verschworene einige Kastanien verdient hat. Die Verlinker des Waldhörnchens übten für die wirkliche Verhockung wie die Verschworenen zu gewinnen seien. Und tatsächlich fand diese nach einigen Tagen statt, so wie üblich. Das Waldhörnchen wurde springengelassen. Mit genug Nüssen kann man sich eben auch eine unwirkliche Verhockung leisten. Später erfuhr sie vom Uhu, daß viele Verhockungen vorher fleißig geübt und abgesprochen würden, um den Tieren ein gutes Bild von ihrer Tierokratie zu liefern, für die sie ja viele Eicheln, Kastanien, Nüsse und Eckern heranzuschaffen hatten. Aber ob das alles in Ordnung war? Ein seltsames Gefühl blieb doch zurück.
– wie man den Esel zum Zurücktreten zwang –
Einst wurde ein Esel durch Vortreten zum Haupträter. Allerdings waren nicht alle mit seiner Hauptratsausübung zufrieden. Einige meinten, der Esel babbele nur, andere bemängelten, daß er meist nur 'IAAAA' vorbringe und von den so kommentierten Zentralwaldproblemen Null Komma Garnichts verstanden habe. Nach einem großen Mietbäumeskandal reichte es einigen Tieren und sie gingen zum Esel, um ihm klarzumachen, daß das Vortreten wohl ein Fehler war und er jetzt lieber zurücktreten solle. Sicherheitshalber nahmen sie den Bären mit. Der Esel ging auf die Putschisten zu und trat dem Bären dermaßen in die Schwarte, daß dieser noch einen und einen halben Mond hinken sollte. Nun zweifelte niemand mehr an der Befähigung des Esels und es hatte auch keiner mehr Lust, ihn zum Zurücktreten aufzufordern. In einem kleinen Teil des Südwaldes bürgerte sich allerdings, als das bekannt wurde, eine seltsame Gewohnheit ein. Man verwählte nur noch Tiere, von denen man etwas wußte, mit dem man den Verwählten später beim Postenfreigeben behilflich sein könnte.
– fachtierliche Kastanienverwaldung –
Die Praxis der Tierokratien, Waldokraturen und so weiter hatte ihre Tücken. Die Errungenschaften mußten verwaltet werden. Die Verwalderei war geboren. Die Verwalder, die Bediensteten der Waldgesellschaft, verwaldeten Reichtümer und Ressourcen dieser. Die Vehältnisse wurden aber immer komplizierter. Im Laufe der Zeit wurde die richtige Verwaldung selbst zu einem Problem der Gesellschaft. Die Verwaldung lieferte mit zunehmenden Aufgaben und Zuständigkeiten natürlich auch Fehlleistungen, die hauptsächlich der ständigen Verkomplizierung des Waldlinks zu verdanken waren. Die Gesellschaften wurden immer komplizierter, die Macht der Verwalder immer größer und wenn mal etwas fehlverwaldet wurde, was nun immer öfter geschah, waren die Folgen unkorrigierbar, weil das Regelwerk jetzt nahezu perfekt war und die Verwalder nix gern zugaben. Um den Opfern von Fehlverwaldungsakten zu helfen sammelte die Lichtung der Mitleidigen Tiere Bucheckern für die Beschadigten. Diese gute Tat der Mitleidigen Tiere wurde allgemein freudig begrüßt. Selbst die Verwaldung half bei der Verteilung. Später wurden die Bucheckern gleich von den Verwaldern verteilt, denn die wissen ja am besten, wer sie erhalten muß. Eine richtige Verwaldung braucht dafür Regelungen, die auch bald zur Hand waren. Natürlich waren die Eckern immer knapp und eine regelungsgleiche Schädigungsvereichlung wurde immer schwerer. Da sah man ein, daß man diese wichtige waldgesellschaftliche Aufgabe nicht irgendwelchen Mitleidigen Tieren überlassen kann; sie gehörte in die Hände von Fachtieren. Später wurden die Spenden durch Pflichtzahlungen der Waldbewohner ergänzt, denn die Verwaldungsbeschadigungsausgleichsvereichlungsverwaldung mußte ja kostendeckend verwalden. Nun zahlt die Gesellschaft für die Stiftigung des Schadens, für dessen Festellung, für die Beseitigung, für die Verwaldung der Feststellung und Beseitigung der Verwaldung, sowie die Verwalderung der Beschadigung und die ... wegen der ... bei Beachtung des ... ... ... ... – also nicht zu knapp. Die Sache entwickelte sich zu einer sauguten Geschäftlichkeit für den Waldrat, denn sein Fachtierbestand verdreifachte sich, und jedes Tier, das die Beseitigung der Miststände anstatt ihrer Vereichelung forderte verbrannte sich kräftig die Schnauze.
"Dank unserer neuzeitlichen Verwaldung können wir Probleme verwalden, die wir uns früher nicht vorstellen konnten." – meinte der Uhu – "Aber nach dem Kommerz zog die Politik in das Waldlink ein. Und das war auch nicht erfreulich."
– von der Umgehung des Gleichheitsgrundsatzes durch Waldräte –
Ursprünglich war es die große Zielstellung des Waldlink, daß alle Tiere gleichermaßen behandelt werden, ob klein, ob groß, ob mit Beinen oder ohne. Jedes Individuum soll jedem anderen gleichgestellt sein. Dazu stellte man die Forderung, daß die Parteien vor einem Waldrat gleich zu behandeln seien. Daß diese Gleichverlinkung nicht gut durchzuhalten ist zeigte aber schon das Malheur mit dem ersten und dem zweiten Waldlink. Wie konnte man aber nun Gleich- und Ungleichbehandlung in ein Waldlink bringen? Man brauchte scheinbar Sonderlinks für Waldräte und alles, was mit ihrem Tun zusammenhängt. Die Waldgemeinschaft als neues virtuelles Tier sollte gegenüber realen Tieren anders behandelt werden, um dieses Problem zu lösen. Einige Spezialisten warnten vor erneuter Verkomplizierung und Machtausweitung der Waldräte, denn letztenendes ginge es ja immer um reale Fälle. Aber die Versuchung war zu groß für die Waldräte, sich mit dem Argument, für die Gemeinschaft der Tiere zu rackern mehr Links zu reservieren. Der Unlinkbrauch dieser Links blieb natürlich nicht aus. Pfiffige Tiere und auch Unlinktäter bekamen mit der Zeit heraus, daß sie nur mit dem Dienst an der Waldgemeinschaft argumentieren müssen, ja am besten ihre Geschäftlichkeit gleich richtig einrichten müßten. Gerade die großen Höhlenspekulations- und Hilfseichelnsammlungsskandale zeigten, wie man die ursprüngliche Gleichverlinkung aller Waldbewohner jetzt linkmäßig unterwandern kann. Der Zorn der Tiere über das undurchsichtiger und ungleicher werdende Waldlink wuchs zusehends. Gegen diese Tendenz wollten die Räte etwas tun. Man erfand sogar Zwitschernetzsendungen, die den Waldbewohnern zeigen sollten, daß das Waldlink nicht korrumpiert ist. Waldgesellschaft und Waldlink sollten eine Einheit bilden. Aber ob das je erreicht wird?
"Ihr habt die Ziele nicht erreicht?"
Der Uhu sagte dazu: "Gleichverlinkung und Gleichbehandlung waren immer eine Illusion. Bei den vielen Links, die erfunden wurden gab es nie wirkliches Link, so wie es sich viele Tiere wünschten. Was eigentlich ist das Link? Das Link schreibt nur Machtverhältnisse fest, um sie nicht jedesmal neu ausbeißen zu müssen. Der Kampf ist in eine andere Welt verlagert. In dieser findet dann die schleichende Entmachtung derer statt, die nicht ständig mitkämpfen, solange, bis wieder ausgebissen wird."
– von der Nützlichkeit allgemeingültiger Linkskategorien –
Die dritte Waldokratur im Föhrenhain war ja nicht gerade als erfinderfreundlich bekannt. Die Ereignisse um Mutter Dachs haben dazu sicher einiges beigetragen.
Die kleinen Dachse spielten vor der Höhle unter dem großen alten Dachsbaum, wie schon Generationen vor ihnen. Sie spielten mit Leuchtfliegen, was Mutter Dachs auf die verhängliche Idee brachte. Sie befestigte einige Blüten, die die Fliegen besonders liebten über der Höhle so, daß der Höhleneingang jetzt schön beleuchtet war. Ob es nur böswillige Nachbarn waren oder ob das Waldlink selbst sich durch diese Beleuchtung verunglümpft fühlte weiß man nicht mehr, aber Mutter Dachs wurde wegen saugrober Verfrevelung drei Nächte und drei Tage eingehöhlt. Nun kann zwar kein Spezialist mehr erklären, was genau Verfrevlung ist und ab wann sie als saugrob gilt, aber daß solche Kategorien für ein modernes Link unverzichtbar sind ist unter Experten unumstritten, denn ohne Verfrevlungskategorie könnte das Waldlink ja keine Verfrevlung ahnden, nicht einmal die Saugröblichste.
– kreative Neuinterpretation des Waldlinks erhält dessen Praxisbezug –
'Du Wackelschwanz' gilt unter den Tieren des Waldes bekanntlich seit je her als schwere Verunglümpfung. Warum das so ist wird sich wohl nie mehr zweifelsfrei ermitteln lassen. Als sich Fritz Frosch und ein Wolf eines Tages anläßlich eines Jagdausfluges des Wolfes, der ihn mitten durch das Gelege des Frosches führte, in eine längere und laute Diskussion verstrickten meinte der Frosch seinem Unmut mit einem lauten '... und Du hast 'nen Wackelschwanz' Luft machen zu müssen. Geistesgegenwärtig hatte der Frosch zwar 'hast' und nicht 'bist' gesagt aber das nützte ihm garnix: schwere Verunglümpfungsklage! Daß Wölfe mit dem Schwanz wackeln und der Frosch somit nur eine Tatsache festgestellt hatte wird sicher kein Tier bezweifeln wollen. Aber wie nun den Frosch verurteilen, wenn der so geschickt einen Waldlinksdurchschlupf nutzen will? Ob der Wolf nun gute Beziehungen hatte oder nicht, jedenfalls suchten mehrere Linksverbildete verzweifelt nach der Auflösung des Problems. Dabei lag die so nahe. Die Spezialisten kamen zu dem Schluß, daß nicht das, was der Frosch gesagt hat für die Linksfindung entscheidend ist, sondern was der Wolf verstanden haben 'könnte / sollte / müßte'. Dies ist wirkliche Kreativlinksinterpretation – gratulierten sich die Experten. Diese linkswissenschaftliche Dehnungsinterpretation nicht achtend entschied der Waldrat auf vollendete Verunglümpfung. Der Frosch hätte sich in Verunglümpfungbeabsichtigung nur verquakt. Revanchemäßig überzog jetzt der Frosch den Wolf mit einer erschwerten Gelegebeschadigungsbeklagung mit Tümpelumkreiserscheinungsunterlassungsansonstenneubeschadigungssofortvereichelungsunterwerfungserklärungsfeststellungsbeantragung. Aber das ist eine andere Geschichte.
– nomen est omen – wie die alten Latriner sagen –
Die Wölfe sahen aber nach dem Zwischenfall mit Fritz Frosch ein Problem. Es stank ihnen, daß Schwanzwackeln bei den Waldbewohnern nicht die gleiche Anerkennung genoß wie im Pack. Nach vielen Beratschlagungen kam heraus, daß die Waldbewohner hier ein klares Verständnisdefizit haben, das behoben werden muß. Wie aber? Tiefgreifende Analysen zeigten, daß nur die vulgären Worte 'Schwanz' und 'wackeln' daran Schuld trügen. Diese müßten verboten werden – kann man aber nicht. Erst die 'Novellierung der Sprachregelung der Begrüßungsrituale des Wolfspacks unter besonderer Berücksichtigung neuester waldgesellschaftlicher Erfordernisse' brachte eine Lösung. Das ordinäre Wort 'Schwanz' sollte durch die elegante Neuschöpfung 'Schwoiv' ersetzt werden und 'gewackelt' wird sowieso nicht, es ist vielmehr ein freundlich freudiges 'schwenken'. Das ist von allen Tieren jetzt umzusetzen! Das Link wurde angepaßt und die Neuerung wurde im Zwitschernetz verbreitet. Die Tiere lachten sich krumm, als sie von der neuen Sprachregelung hörten und einige versuchten tatsächlich 'den Schwoiv zu schwenken'. Diese Spaßviecher verstummten aber bald, denn Worte wie 'wackeln' oder 'Schwanz' dürfen in Gegenwart eines Wolfes nicht mehr erwähnt werden, da der Wolf eine Verunglümpfungsbeabsichtigung vermuten könnte. Auch die Bezeichnung 'Schwoivschwenker' kann neuerdings als Unglümpf gelten. Wo soll das aber enden?
– wer alles Sonderlinks braucht –
Nachdem sich die Erkenntnis durchsetzte, daß die Räte zur richtigen Verwaldung der Waldgemeinschaft Sonderlinks brauchten, wuchs allgemein die Begehrlichkeit nach Sonderlinks. Virtuelle Tiere, wie Höhlenvermietungs- und Kastanienverwaldungshorden beanspruchten bei Linkshändeln mit einzelnen Mitläufern besser gestellt zu werden als reale Tiere, denn sie waren ja zum Wohl der Hordentiere tätig. Diese Forderung paßte auch gut zu dem unöffentlichen Grundlink 'Im Zweifel für das größere Tier', denn es kann ja jeder einsehen, daß eine Horde ein größeres, wenn auch virtuelles Tier ist. Die Regelung ist auch in praktischer Hinsicht nützlich, denn Räte rechnen nach einer eventuellen Fehlverlinkung mit weniger Problemen, wenn sie gegen das kleinere Tier entschieden haben. Sonder-, Ausnahme-, Spezialverlinkungs-, Horden-, Erdbewohner-, Baumbewohner-, Buschbewohner-, Waldrats-, Rats-, Blatt- und Grasfresser-, Federtier-, Teich-, Meer- und Tümpelbewohner-, Raubtier- und sonstige Speziallinks schossen wie die Pilze aus dem warmen Waldboden. Aber es blieben sogar völlig linksfreie Bereiche erhalten. Dies mußte natürlich den gewöhnlichen Waldlingen verborgen bleiben, denn die glaubten zumeist noch an ein allgemein gültiges linkes Link! So hatten Verhockungen, die diese Bereiche betrafen immer einen offiziellen und einen wirklichen Verlauf. War der Untäter offiziell verlinkt, so hieß das noch lange nicht, daß auch so verfahren wurde, wie vom Rat offiziell verkündet. Aber sehen wir uns lieber ein Beispiel an.
Ratsvorhocker sind grundsätzlich Tiere, die mehr gelten wollen als andere. Sie haben Probleme damit, daß es in anderen Räten auch Vorhocker gibt. Uneinigkeiten und Kriege werden oft dadurch ausgelöst und zum Teil auch mit Mitteln ausgetragen, die jedes Waldlink verbietet. Guido Ginster war ein solches Mittel. Er war ein sogenannter 'Spezialmitläufer des Hollerbuschrates im verschwiegenen Einsatz'. Das wußten aber nur wenige. Einst war er mit einem Rudel Höhlenbohrer unterwegs. Sie gruben Höhlen bemittelter Waldler von hinten an und schauten sich nach brauch'barem' um. Als er nach einem Fehlschlag mit einigen Kollegen vor dem Waldrat landete bemerkte ein Waldanwald, daß heimliche Mitläufer mit differenzierterer Behandlung rechnen könnten. Guido verstand, nutzte die Gunst der Stunde und trat in den Verein ein. Er hat es nicht bereut. Auch bei späteren Gelegenheiten zeigten sich Waldanwald und Rat kulant. Aber Guido Ginster war noch mehr als ein 'Spezialmitläufer des Hollerbuschrates im verschwiegenen Einsatz'. Er gehörte dem 'Ameisenkommando Hollerbusch' an. Kein Rat wird zugeben, daß es sowas gibt. Als der zweite Vorhocker des Birkenrates von einem Ameisennest getroffen wurde und den Anschlag nicht überlebte gelang GG die Flucht nach Hollerbuschien. Er hatte sich im Birkenwald in das Ameisenkommando eingeschlichen und ließ sich zum 'birkenwäldischen todesverachtenden Einzellinksverteidiger' ausbilden. Es war dann auch ein original birkenwäldisches Kampfameisennest, welches zum großen Gaudi des Hollerbuschrates von Guido zweckentfremdet wurde. Guido wurde natürlich sofort in Hollerbuschien eingehöhlt und wartete auf seine Verknackungsverhockung. Gegen solche Missetäter gehen alle Räte mit äußerster Strenge vor. Da herrscht Konsens! So kam auch eine Auslieferung nach Birkenwaldien nicht in Betracht. Man brauchte keine Nachhilfe in Linksdingen und wird dem Wald schon zeigen, wie das Waldlink in Hollerbuschien funktioniert. Wie schon vorher wurden Waldanwälde und Vorhocker mit spezieller Ausbildung mit diesem wichtigen Fall betraut. 'Ihm ist der Kopf abzubeißen!' lautete das Urteil nach sorgfältiger Berackerung des Falles. Daß Guido Ginster jetzt aber Bodo Birkenblatt heißt, eine noble Steinhöhle bewohnt, über enorme Vorräte an Nüssen und Kastanien verfügt und sich in den nächsten Rat verwählen lassen will, ermittelten heimliche birkenwäldische Mitläufer. Ach so? Den Kopf verlor ein mißliebiger Eingehöhlter, der für diese Rolle vom Hollerbuschrat schon lange aufgehoben wurde – oder was habt Ihr gedacht?
– von Nachahmungstätern und einer erfundenen Geschichte –
Viel Feind – viel Ehr! Der Bedarf an Einzellinksverteidigern wie GG war groß, so groß, daß es unmöglich schien ihn zu decken. Findige Geschäftstiere, Versorger von heimlichen Mitläuferhorden, mußten dem Mißstand abhelfen, denn sie konnten solch eine potente Kastanienquelle nicht brach liegen lassen. Außerdem entstand ein nicht geringer Druck der Mitläuferhorden auf ihre Lieferanten. Umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, daß nicht nur Tiere die den großen Pennamucky verehren zu solch gefährlichen Arbeiten herangezogen werden können. Setzt man ein Tier nur oft genug einer lebensgefährlichen Situation aus, so tritt ein gewisser Gewöhnungseffekt ein und sein Verhalten verändert sich. Das kann soweit gehen, daß die Gefährdung nicht mehr wahrgenommen wird. Diese Kandidaten sind allerdings nicht wirklich brauchbar. Brauchbar sind die, die ein Suchtverhalten nach solchen Situationen entwickeln, die bei vorhandener Wahrnehmung eine weitgehende Gleichgültigkeit zeigen oder die eine Selbstzerstörungssehnsucht entwickeln – so die Wissenschaftler. Es ist sicher bedauerlich, daß so viele Kandidaten diesen bahnbrechenden Projekten ihre Unterstützung entzogen, indem sie einfach wegstarben. Aber nach vielen Monden zeigten sich erste Erfolge. Link? – wo kein Beklager ist? Und wag' einmal Beklagung zu erheben! Es gibt sehr gute Pflegestationen für geistig verwirrte Tiere in allen Wäldern. Jedenfalls gab es immer wieder Nachschub für die heimlichen Horden.
"Ich halte es aber für möglich, daß es damals doch GG war, dem der Kopf abgebissen wurde und daß diese Helden nach getaner Arbeit beiseite geschafft werden. Wie wird man denn besser einen Mitwisser los, als mit einer offiziellen Beklagung?" – bemerkte der Uhu noch – "Ein Kriegshistoriker soll sogar behauptet haben, die GG-BB-Geschichte wäre erfunden worden, um naive kriminelle Waldlinge leichter zu Mitläufern rekrutieren zu können."
– wie man einem Hexenkreis entwischt –
Sie entfernten sich bei ihrem Spiel immer weiter von der heimatlichen Höhle, die zwei jungen Häschen. Es gab viel zu entdecken und auszuprobieren. Sie spielten das Spiel 'ein Spiel erfinden'. Als sie auf toten Bäumen entlanghopplten erfand die kleine Schwester das Spiel 'wer keinen Weg mehr findet hat verloren'. Es kam darauf an, bis zum Ende auf dem Baum zu bleiben. Der Bruder ging voran. Sie kletterten auf dem Baum entlang bis zum Ende der Äste. Jetzt war die Schwester dran. Sie sah eine Höhle und ging hinein, der Bruder hinterher. Sie durchsuchten die Gänge und nach einiger Zeit tat sich ein Ausgang auf. Die Schwester hatte nicht verloren. Gut, daß der Fuchs nicht zu Hause war. Jetzt war es wieder am Bruder, den Weg zu finden. Er folgte einer Spur aus Pilzen. Seine Schwester zählte laut auf, über welche Pilze sie grad hinweggingen. 'Bruder und Schwester Pilz', 'Mama Pilz mit Kinderpilzen', 'großer alter Pilz', ... Als sie zum vierten Mal 'viele kleine Pilze im Moos' und 'großen angefressenen Pilz' passierten merkten sie, daß es da keinen Ausweg gibt. Sie suchten und suchten, aber es kamen immer wieder 'drei Pilze im Laub', 'Bruder und Schwester Pilz', 'großer angefressener Pilz', ... – bis sie alle genau kannten. Der Bruder fand den Ausweg nicht. Da kam dem Bruder der Gedanke, daß sie den Ausweg bei so vielen Pilzen ja nicht sehen könnten und er begann sie aufzuessen. Zuerst protestierte die Schwester laut, denn sie konnte jetzt ja nicht mehr aufzählen an welchen Pilzen sie vorbeikamen, dann aber beschränkte sie sich darauf, aufzuzählen welche Pilze ihr Bruder grad vertilgte. 'viele kleine Pilze', 'Pilz mit alten Tannennadeln drauf, ... – und siehe da, da war er, der Ausgang. Nun aber ab nach Haus mit den Lausern, denn es dunkelt schon.
Ich geh' noch immer viel spazieren. Den alten Uhu habe ich seit langem nicht mehr getroffen. Immer wieder denke ich über seine Berichte nach und fragt mich ein Bekannter um Rat kann es schon vorkommen, daß ich glaube, 'ich bin im Wald' ...
Carsten Thumulla im August 2004
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